Woran erkenne ich einen verantwortungsvollen Rauhhaar-Teckel-Züchter?

Wer einen Welpen kauft, übernimmt eine Verantwortung für viele Jahre. Deshalb sollte man sich nicht nur fragen, welcher Welpe einem besonders gut gefällt, sondern auch, woher der Welpe kommt und unter welchen Bedingungen er aufgewachsen ist.

Ein verantwortungsvoller Züchter sollte ebenso sorgfältig ausgewählt werden wie der Welpe selbst.

Der persönliche Kontakt

Ein seriöser Züchter wird normalerweise ein persönliches Kennenlernen begrüßen und sich Zeit für die Interessenten nehmen.

Dabei sollte nicht nur der Käufer Fragen stellen dürfen. Auch ein verantwortungsvoller Züchter wird Fragen stellen:

  • Wie leben Sie?
  • Wie viel Zeit haben Sie für einen Hund?
  • Gibt es Kinder oder andere Tiere?
  • Wie lange müsste der Hund alleine bleiben?
  • Was stellen Sie sich unter einem Teckel vor?
  • Haben Sie bereits Erfahrung mit Hunden?
  • Wie möchten Sie den Hund beschäftigen?
  • Was passiert, wenn sich Ihre Lebensumstände verändern?

Das sollte nicht als Misstrauen verstanden werden.

Ein guter Züchter möchte wissen, wohin seine Welpen kommen.

Die Aufzucht sollte besichtigt werden können

Interessenten sollten die Möglichkeit haben, die Zuchtstätte und – soweit möglich – die Mutterhündin persönlich kennenzulernen.

Man sollte sich anschauen können, wie die Hunde leben.

Wie reagieren die erwachsenen Hunde auf den Züchter und auf Besucher?

Wirken sie freundlich, gepflegt und ausgeglichen?

Haben die Welpen Kontakt zu Menschen und lernen sie unterschiedliche Alltagssituationen kennen?

Ein verantwortungsvoller Züchter sollte transparent mit seiner Aufzucht umgehen und Fragen offen beantworten.

Vorsicht ist angebracht, wenn Besichtigungen grundsätzlich nicht möglich sind oder der Käufer den Welpen an einem neutralen Ort übergeben bekommen soll, ohne die Aufzucht gesehen zu haben.

Die Mutterhündin kennenlernen

Die Mutterhündin sollte nach Möglichkeit persönlich gesehen werden.

Sie ist nicht nur die Mutter der Welpen, sondern vermittelt ihnen bereits in den ersten Lebenswochen wichtige Erfahrungen.

Dabei sollte man nicht erwarten, dass jede Hündin während der Aufzucht völlig entspannt auf Besucher reagiert. Sie hat gerade eine besondere Aufgabe und darf auch einmal müde oder zurückhaltend sein.

Wichtig ist vielmehr der Gesamteindruck und ein verantwortungsvoller Umgang mit der Hündin und ihren Welpen.

Gesundheit der Elterntiere

Ein verantwortungsvoller Züchter sollte sich Gedanken darüber machen, welche Hunde miteinander verpaart werden und welche gesundheitlichen Aspekte dabei berücksichtigt werden.

Interessenten sollten deshalb ruhig fragen:

  • Welche Gesundheitsuntersuchungen wurden bei den Elterntieren durchgeführt?
  • Welche Zuchtzulassungen liegen vor?
  • Gibt es bekannte Erkrankungen in der Linie?
  • Warum wurde gerade diese Verpaarung gewählt?
  • Welche Eigenschaften sollen durch die Verpaarung erhalten oder verbessert werden?

Ein guter Züchter wird solche Fragen nicht als unangenehm empfinden.

Nicht nur das Aussehen zählt

Ein Teckel sollte nicht ausschließlich danach ausgesucht werden, ob er besonders hübsch oder auffällig gefärbt ist.

Bei einer verantwortungsvollen Zucht sollten Gesundheit, Wesen, Anatomie, Leistungsfähigkeit und die rassetypischen Eigenschaften berücksichtigt werden.

Gerade beim Teckel sollte man nicht vergessen, dass hinter dem niedlichen Aussehen ein leistungsfähiger Jagdhund steckt.

Die ersten Lebenswochen sind entscheidend

Die Welpen sollten in ihren ersten Lebenswochen möglichst viele positive Erfahrungen sammeln.

Dazu gehören beispielsweise:

  • unterschiedliche Menschen
  • normale Haushaltsgeräusche
  • verschiedene Untergründe
  • kurze Autofahrten
  • altersgerechte Außenreize
  • andere geeignete Hunde
  • unterschiedliche Situationen des täglichen Lebens
  • erste Pflege- und Untersuchungssituationen

Dabei geht es nicht darum, einen Welpen möglichst vielen Reizen auszusetzen.

Entscheidend ist, dass Erfahrungen altersgerecht, dosiert und positiv erfolgen.

Auch Ruhe und ausreichend Schlaf gehören zur Aufzucht.

Ein guter Züchter gibt nicht nur einen Welpen ab

Mit der Übergabe des Welpen sollte die Verantwortung des Züchters nicht einfach enden.

Idealerweise bleibt der Züchter auch danach Ansprechpartner.

Gerade bei einem Teckel können im Laufe seines Lebens viele Fragen entstehen: Ernährung, Erziehung, Fellpflege, Ausbildung, Ausstellungen, Jagd oder einfach ganz normale Alltagssituationen.

Es ist beruhigend zu wissen, dass man jemanden fragen kann, der den eigenen Hund beziehungsweise seine Herkunft kennt.

Kaufvertrag und Unterlagen

Bei der Übergabe sollten die erforderlichen Unterlagen vollständig sein.

Dazu gehören – abhängig von Zuchtverband und den jeweiligen Bestimmungen – beispielsweise:

  • Ahnentafel
  • Impfunterlagen
  • Kaufvertrag
  • Informationen zur bisherigen Entwurmung und Gesundheitsvorsorge
  • Informationen über Fütterung und bisherige Gewohnheiten
  • gegebenenfalls weitere Gesundheits- und Zuchtnachweise

Der Käufer sollte sich die Unterlagen in Ruhe erklären lassen und nicht davor zurückschrecken, nachzufragen, wenn etwas unklar ist.

Vorsicht bei „Schnäppchen“

Ein Welpe ist kein Produkt, bei dem der günstigste Preis automatisch das beste Angebot darstellt.

Eine verantwortungsvolle Zucht verursacht Kosten: Gesundheitsuntersuchungen, Mitgliedschaft im Rasseverband, Zuchtzulassung, Deckgebühren, tierärztliche Betreuung, Impfungen, Kennzeichnung, hochwertiges Futter, Ausstattung und vor allem sehr viel Zeit.

Kommt es bei der Geburt zu Komplikationen oder erkrankt ein Welpe, können zusätzliche erhebliche Kosten entstehen.

Deshalb sollte man nicht ausschließlich nach dem Preis entscheiden.

Der Züchter sollte auch nach dem Kauf Fragen stellen

Ein verantwortungsvoller Züchter interessiert sich dafür, wie sich seine Welpen entwickeln.

Rückmeldungen, Fotos oder gelegentliche Informationen aus dem neuen Zuhause sind deshalb nicht nur angenehm, sondern können für den Züchter auch wichtig sein.

Manche Züchter freuen sich beispielsweise über regelmäßige Updates oder möchten ihre ehemaligen Welpen später einmal wiedersehen.

Das zeigt auch: Ein Welpe ist nicht einfach eine Ware, die den Besitzer wechselt.

Für den Züchter beginnt mit der Abgabe eine neue Phase der Verantwortung.

Der richtige Züchter darf auch einmal „Nein“ sagen

Es kann vorkommen, dass ein Züchter einem Interessenten keinen Welpen anvertraut.

Das muss nicht bedeuten, dass mit dem Interessenten etwas nicht stimmt.

Vielleicht passen die Lebensumstände, die Vorstellungen von der Haltung oder die gewünschte Beschäftigung einfach nicht zu diesem speziellen Hund.

Ein verantwortungsvoller Züchter sollte lieber einmal einen Welpen nicht abgeben, als einen Hund in eine Familie zu vermitteln, bei der er langfristig nicht glücklich werden könnte.

Und was sollte der Käufer selbst mitbringen?

Auch der beste Züchter kann nicht garantieren, dass ein Hund niemals krank wird oder sich immer genau so entwickelt, wie man es sich vorgestellt hat.

Der Käufer übernimmt deshalb ebenfalls Verantwortung.

Er sollte bereit sein,

  • Zeit in Erziehung und Ausbildung zu investieren,
  • den Hund artgerecht zu beschäftigen,
  • für seine Gesundheit und Pflege zu sorgen,
  • sich mit den Besonderheiten der Rasse auseinanderzusetzen,
  • auch schwierige Phasen durchzustehen,
  • und den Hund nicht nur dann zu lieben, wenn alles problemlos funktioniert.

Mein wichtigster Rat

Nehmen Sie sich Zeit.

Besuchen Sie nach Möglichkeit mehrere Züchter. Stellen Sie Fragen. Schauen Sie sich die Hunde an. Beobachten Sie, wie der Züchter mit seinen Tieren umgeht.

Und hören Sie nicht nur auf das, was Ihnen erzählt wird.

Schauen Sie hin.

Ein Welpe zieht schnell ins Herz – aber die Entscheidung für einen Hund sollte nicht aus einem spontanen „Wie süß!“ heraus getroffen werden.

Denn der kleine Rauhhaar-Teckel, der heute noch in der Wurfkiste liegt, kann Sie viele Jahre begleiten.

Deshalb sollte die wichtigste Frage nicht sein: „Welchen Welpen möchte ich haben?“

Sondern:

„Ist dies der richtige Hund für mein Leben – und bin ich der richtige Mensch für diesen Hund?“